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Ganzheit

Ungetrenntsein

Aus Indien stammt das Gleichnis, in dem drei Blinde einen Elefanten begegnen und dieses Wesen mit ihren Händen ertasten. Der Erste umfasst den Rüssel und sagt, es handele sich um ein Rohr mit weichem Rand, der Zweite erfasst den Bauch und sagt, es sei ein haariger Sack und der Dritte bekommt ein Bein zu fassen und sagt, es handele sich um eine Säule. Schließlich kam ein Vierter hinzu, der sehen konnte und bemerkte, das sei ein Elefant.

Jeder der Drei hatte nur einen isolierten und daher begrenzten Eindruck von der fremden Wesenheit und konstruierte damit jeweils seine eigene Wirklichkeit. Es sei der Blindheit geschuldet, dass keine Gesamt(an)sicht möglich war, doch selbst diejenigen, die sehen können, erkennen nur das, was ihr Filtersystem zulässt und ihr Sehzentrum zu interpretieren vermag. Wenn weißes Licht durch ein Prisma gelenkt wird, zerlegt dieser Glaskörper dieses Licht in seine Bestandteile, die wir Spektralfarben nennen. Angesichts dieses Phänomens und der damit verknüpften Begeisterung wird nicht selten vergessen, dass diese bunten Ergebnisse lediglich Teilaspekte eines Ganzen sind, dessen Zerlegung nichts über das Ganze vermittelt. Bleibt die Frage, ob das weiße Licht bereits die Quelle ist oder ob es sich nur um den materiellen Ausdruck von etwas Anderen handelt. Liegt noch etwas Weiteres, aber mit den Augen nicht Sichtbares dahinter? Ist auch dieses weiße Licht nur eine Ablenkung in der materiellen Welt?

Alles, was ist, existiert als ein Teil einer untrennbaren Ganzheit. Wer diese Ganzheit in seine vermeintlichen Teile trennt, zerstört die Konfiguration, denn die Addition der Bestandteile ist stets weniger, als die Summe des Ganzen. Wer dass vergisst oder ignoriert, und sich stattdessen mit einem isolierten Teilaspekt identifiziert und sich diesen zu eigen macht, für den existiert dann nichts Anderes, vor allem gerade dann, wenn dieser Teilaspekt den eigenen Vorstellungen von der Welt entspricht, in der er sich eingerichtet hat. Ist diese Einrichtung darüber hinaus hinreichend kommod, wird diese aus Verblendung gegen alle Angriffe oder Infragestellungen verteidigt. Das Problem dieser dialektischen Grundhaltung ist nun Folgendes: Ist das Fundament, also die Prämisse, nicht wahr, kann auch der Überbau nicht wahr sein, ganz gleich, mit welcher (ideologischen) Verheißung dieser ausgestattet oder verknüpft sein mag.

Nun wird es kniffelig. Sobald eine körperliche, emotionale oder mentale Störung auftaucht oder sich etwas nicht gut oder falsch anfühlt, ist dies in der Regel ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt. Darauf lässt sich auf zweierlei Arten reagieren. Entweder wird dieses Gefühl ignoriert und gar unterdrückt oder der Betroffene geht dem Gefühl nach und macht sich mit der Wahrheit vertraut, die in aller Regel unangenehm ist und weh tut. Und genau an dieser Stelle trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer wieder ganz, also heil und damit vollständig werden möchte, wird sich der Zumutung dieser Konfrontation stellen und die Konsequenzen der gewonnenen Erkenntnisse und das in der Folge veränderten Tuns aushalten müssen. Denn das ist der Preis für jedwede Heilung in der Gewissheit des Ungetrenntseins.

Dieses Wissen von der Ganzheit bedeutet zwar, dass alles zusammengehört und miteinander in einem Zusammenhang steht, aber daraus lässt sich nicht ableiten, dass demnach alles gleich sei. Das Gegenteil ist der Fall, denn jedes Wesen ist ein anderer und damit nichtgleicher Ausdruck des Selben. Das Selbe ist mitnichten das Gleiche und vice versa.

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